Oktober

© Andreas Etter

Drei Werke, drei choreografische Welten. Silent Echo bringt drei Erfolgsproduktionen aus dem Repertoire des Hessischen Staatsballetts zurück auf die Bühne: das eindringliche I’m afraid to forget your smile des vielfach ausgezeichneten niederländischen Choreograf*innen-Duos Imre & Marne van Opstal, das elektrisierende Duett Midnight Raga von Marco Goecke sowie das monumentale The Mass Ornament des Spaniers Fran Díaz. Obwohl jede dieser Choreografien eine ganz eigene künstlerische Sprache spricht, kreisen sie alle um Themen, die zutiefst menschlich sind: Erinnerung und Identität, Nähe und Distanz sowie die Spuren, die Begegnungen hinterlassen.
Den Abend eröffnen Imre & Marne van Opstal mit I’m afraid to forget your smile. In ihrer berührenden Verbindung aus zeitgenössischem Tanz, live interpretierten Chorwerken und einer atmosphärischen Bühnen- und Lichtgestaltung von Tom Visser wird der Moment des Loslassens zu einem schwebenden Übergangszustand und die Szenerie zu einem flüchtigen Tanzgemälde aus vielen Farben und Schichten. Die Stimmen der Schiersteiner Kantorei verleihen der Choreografie eine zusätzliche, unmittelbare Präsenz. Werke von Komponisten wie Arvo Pärt und Eric Whitacre schaffen dabei einen Klangraum, in dem sich Trauer, Erinnerung und Hingabe miteinander verweben.
Mit Midnight Raga folgt ein radikaler Wechsel der Stimmung. Marco Goecke, einer der prägendsten und international gefragtesten Choreografen der Gegenwart, entwickelt in seinem Duett eine hochkonzentrierte Begegnung zweier Körper. Goeckes unverwechselbare, nervös-flirrende Bewegungssprache trifft auf ein tiefes Mitternachtsblau sowie die Musik des indischen Komponisten Ravi Shankar. Heraus kommt ein intimes Duett, das zwischen Zartheit und explosiver Energie oszilliert.
Den Abschluss bildet The Mass Ornament von Fran Díaz. Zur unerbittlichen Musik von Henryk Góreckis Concerto for Harpsichord and String Orchestra op. 40 formt Díaz aus den Tänzer*innen einen hochenergetischen Gruppenkörper als Reflexion auf die Rationalisierung im Zusammenhang mit der Massenproduktion. Präzision, Dynamik und individuelle Impulse verschmelzen zu einem faszinierenden choreografischen Organismus, in dem Ordnung und Selbstaufgabe sowie Individualität und Gemeinschaft unmittelbar aufeinandertreffen.
 

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© Max Borchardt

Eine kleine hessische Kommune steht vor dem finanziellen Ruin, aber Bürgermeisterin Carola Weissgut hat die Lösung: Ein Ideenwettbewerb verspricht Fördermillionen für „Vielfalt und Miteinander“. Da muss es doch ein paar queere Menschen im Dorf geben, die den Ruf des maroden Dorfes aufpolieren können! Und die gibt es auch, nur haben sie so gar keine Lust, für die Imagekampagne herzuhalten. Und der ein oder andere besorgte Bürger hat ein Problem mit der Regenbogenflagge am Rathaus … eine schillernde Drag Queen, Streit und Versöhnung, Familiendrama, Neuwahlen und die große Liebe machen das regenbogenbunte Chaos perfekt.

Drag Superstar Kelly Heelton und das Musiktheater-Ensemble des Staatstheaters bescheren uns mit „Alles Liebe!“ einen beschwingten und spritzigen Operettenabend. Die serbische Komponistin Misha Cvijović hebt die vielfältigen musikalischen Einflüsse ihres Werks hervor: „Mich beschäftigte die Frage, wie eine wahrhaft zeitgenössische Operette klingen kann, die ihre Traditionen respektiert und doch mit leidenschaftlicher Dringlichkeit in unsere Gegenwart spricht. Aus queeren musikalischen Welten ebenso schöpfend wie aus der Wiener und Berliner Operette, im Zusammenspiel von orchestralem Glanz und urbanen elektroakustischen Sounds, habe ich nach neuen Klangwelten gesucht.“ Die queere Landoperette ist das erste Bühnenwerk einer Komponistin, das im Großen Haus des Hessischen Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt wird.

Preisträgerwerk des Reinhold Otto Mayer Preises 2025 der Reinhold Otto Mayer Stiftung

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