
„Ich habe mich von deinem Vater befreit und dachte, jetzt wird alles besser.“ Nach „Die Freiheit einer Frau“ kehrt Édouard Louis zur Geschichte seiner Mutter zurück. Zu einer Frau, die sich schon einmal befreit hat. Von Alkohol, Gewalt und Scham, vom Schweigen. Und deren Geschichte sich zu wiederholen droht, als sie eines Nachts den Sohn anruft, während ihr neuer Partner sie im Hintergrund rüde beschimpft. Schritt für Schritt plant der Sohn mit ihr den Ausbruch, ein neuer Anfang gelingt, aber wie geht das Leben weiter, wenn man Freiheit nie gelernt hat? Die mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnete Regisseurin Sara Ostertag inszeniert – erstmals am Hessischen Staatstheater Wiesbaden – die Fortschreibung der Geschichte von Monique Bellegueule.
Dabei lässt Ostertag Sprache, Musik und choreografische Elemente ineinandergreifen und zu ausdrucksvollen Bildern werden, welche die Gewalt und den Kampf um Befreiung körperlich erlebbar machen. Musik als auch Choreografie zitieren aus Werken (u.a. von Pina Bausch und DV8 Physical Company), die sich mit Extremerfahrungen von Weiblichkeit und Queerness auseinandersetzen und verweisen damit auf das Beispielhafte der Geschichte der Familie Belleguele.
Wieviele Frauen würden ein anderes Leben wählen, wenn man ihnen das entsprechende Geld überwiese?
Édouard Louis, aus "Monique bricht aus"